Leichtes Stretching, dann Randale!

Hallo reader ,
der rote Faden dieses Schönletters ist buchstäblich "radikal". Ich bin aus meinem Sommerurlaub in schönster Natur und weitestgehendem Social-Media-Detox, sowie einer großflächigen Nachrichtenpause zurück und bin somit erholt genug, mich der Welt wieder zu stellen und das bedeutet: ES BRAUCHT RADIKAL GUTE NACHRICHTEN!!!
Ich bin dafür extra in ein Trainingscamp gefahren.
:-)
Und zum Glück gibt es sie ja auch, the good news:
Zum Beispiel die Erkenntnis, dass Protest und die Abkehr von fragwürdigen Anbietern Erfolg haben kann, wie zuletzt die schnelle Rückholung von US-Late Night Host Jimmy Kimmel seitens des Disneykonzerns zeigt.
Wir erleben gerade einen weltweiten Turborechtsruck und haben nicht nur die Pflicht, sondern auch die Macht, uns dem zu verweigern, denn wir leben in einem System, dass uns die freie Wahl und Meinung ermöglicht. Noch. Und das ist doch super! Nutzen wir sie!

Nach den Kommunalwahlen in NRW stelle ich zufrieden fest, dass die Menschen in meiner Heimatstadt Köln ihre Stimmen in überwältigender Mehrheit den Parteien gegeben haben, die sich inhaltlich um Klima und Soziales kümmern und dass das nicht per se gegen Wirtschaftsinteressen spircht, versteht sich egentlich von selbst. Hoffen wir, dass die Parteien sich ihren Inhalten gegenüber verbindlicher zeigen, als die CDU es ihrem "C" gegenüber tut.
Was mich aber gleichzeitig ärgert, ist die wieder einmal aufrührerische Berichterstattung vieler Medien, die die "Verdreifachung der Stimmen der AfD gegenüber der letzten Kommunalwahl" hervorhebt, dabei aber weitgehend außer acht lassen, dass die AfD im Vergleich zu der Bundestagswahl im letzten Jahr in NRW über 2% , also über eine Millionen Stimmen verloren hat. "Framing" ist das Stichwort.

Um mich nicht zusätzlich zu sehr über Julia Klöckner und Katharina Reiche aufzuregen, die augenscheinlich alles daran setzen, genauso zukunftsverweigernd zu agieren wie ihre männlichen Parteikollegen (aber an die Unzulänglichkeit eines Jens Spahn kommen sie selbst gemeinsam nicht heran!), atme ich ruhig (Beispielbild s.u. und nein, es ist nicht tot, es schläft wirklich nur!), stelle mir dabei vor, wie Julia Klöckner in Jörg Pilawas Quizshow lauter Fragen über Regenbögen beantworten muss und laufe mich gedanklich warm für die kommenden Herbst- / Wintertermine.
Für alle, die mal kurz zumindest eine mentale Pauseneinheit brauchen, gibts hier ein kleines Video mit Urlaubsimpressionen, vom Gipfel zum Meer (nein, ich bin das nicht alles gelaufen).
Also, los geht's!
1.) Was war, was ist, was kommt im Schönleber-Universum?
2.) Gute Nachrichten aus aller Welt

Was war?

1.) Review Robin Hood

Das diesjährige Sommertheater in Baienfurt war (bis auf das Wetter zwischendurch) ein voller Erfolg! Durchweg ausverkauft, thematisch am Puls der Zeit und gleichzeitig um keine schlimme Frisur verlegen, ein großartiger Spaß also, seht selbst. Im nächsten Jahr spielen wir die Helden in Stützstrümpfen noch einmal, vom 29.7.-2.8.26 und vom 4.- 8.8.26. Es gibt jetzt schon Karten!

2.) Passend zur korsischen Mottogemeinde (s. Bild ganz oben): mein neues Jugendtheaterstück "Radikal" geht ab November mit dem Comic-On Theater auf Tour

Wie der Name schon sagt: es geht um Radikalisierungsprozesse am Beispiel von Rechtsextremismus - Die Proben laufen, ich habe den ersten kompletten Durchlauf gesehen und obwohl noch ohne Technik (Licht / Soundeinspieler, etc) ist es immer wieder magisch, wenn geschriebenes Wort plötzlich lebendig wird. Die Schauspieler*innen machen einen fantastischen Job und ich hoffe, dass es an vielen Schulen und Theatern gespielt werden kann und Jugendliche erreicht - bevor andere es tun.
Falls Du das Comic-On Theater, speziell das Stück "Radikal" in Produktion oder Durchführung unterstützen möchtest, gibt es hier eine Spendenaktion (auch kleine Beträge nützen viel!) oder vielleicht kennst Du eine Schule, der Du das Stück gerne empfehlen würdest? Dann gibt es hier sämtliche Informationen.
Die Comic-On Theaterproduktion wird nicht staatlich subventioniert. und Förderprogramme werden dank unserer aktuellen Regierung auch eher abgebaut als - nun ja - gefördert.

Was noch?

Jahaaa, ich hab die Segelprüfung bestanden! Schiff ahoi! Der Wind stand günstig und war nicht mein eigener. Aber momentan fühle ich mich an Land noch wohler...
Die erste Korrekturrunde zum neuen Buch hat stattgefunden, ich überarbeite und ich kann sagen: es wird mein erstes Buch, das das, was ich in den letzten Jahren getan habe, in seiner Spanbreite gut abbildet: eine ausgesuchte Sammlung von Kurzgeschichten, Liedtexten und kabarettistischen Kolumnen oder Auszügen aus den Programmen, die mir wichtig sind und die sich in irgendeiner Weise mit dem Älter werden, den Schwerpunktthemen unterschiedlicher Dekaden und natürlich auch um nicht weniger als um Leben und Tod und der Sinnsuche dazwischen beschäftigen.
Und schon ab dem nächsten Wochenende (am Sonntag im TaK Hannover, Beginn schon um montagsfreundliche 18:30h!) gibt's die nächsten Solotermine mit "Endlich 50 - So jung brechen wir nicht mehr zusammen!", dazwischen natürlich einiges an Mixed Shows. Alle Infos und Ticketlinks hier auf meiner Homepage.

2. Gute Nachrichten aus aller Welt

Das Konzept Demokratie ist weltweit mehr als gefährdet, Amerika liefert die Blaupause der Neuzeit und hierzulande werden Ideen im großen Stil übernommen. Eine generelle Unzufriedenheit in Kombination mit fehlender Bildung, Verantwortungsabgabe ("wer anders hat Schuld!") und gefühlter Ohnmacht bilden den Nährboden für Hass und Spaltung und in Folge für weitere Abstumpfung gegenüber unmenschlichem Verhalten. ABER: So mühsam die Grundlagenbildung erscheint: Die Fähigkeit, Zufriedenheit und Dankbarkeit wahrzunehmen, kann erlernt werden, viele kleine Aspekte des Alltags sind veränderbar und Menschen haben nach wie vor auch immer noch gute Ideen. Hier ein paar Beispiele:

1.) Handy weg! Anreize senken Smartphone-Zeit bei Jugendlichen

Für ein Experiment ließen Forschende aus Texas Jugendliche per App selbst bestimmen, wie lange ihr Smartphone gesperrt bleibt. Für jede Sperrminute erhielten sie Punkte, die sie gegen Einkaufsgutscheine eintauschen konnten. Fazit: Anreiz schlägt Verbot – die Jugendlichen haben weniger Zeit am Smartphone verbracht. Und wer weniger in diesem Internet herumhängt, wird weniger anfällig für Doomscrolling, Fake News oder Opfer von Rattenfängern. (womit sich der Kreis zu meinem Theaterstück schließt! ;-) )
Vielleicht klappt das ja auch im Privathaushalt mit Bonusprogrammen? Freiwilliger Verzicht auf 5 Minuten Medienzeit gegen einmal weniger Spülmachine ausräumen?
Kurzer Hörbeitrag dazu hier.

2.) Obst, Gemüse, Kräuter: Saatgut in der Bibliothek leihen

Ich bin ja sowieso pro gärtnern! Und hier gibt's Klimaschutz und DIY kostenfrei:
Neben Büchern kann man in immer mehr Bibliotheken in Deutschland auch kostenlos Saatgut ausleihen. Die geliehenen Samen werden zuhause eingepflanzt und gepflegt. Beim Ernten der Früchte werden die neuen Samen dann getrocknet und an die Bibliothek zurückgegeben. Das soll z. B. dabei helfen, samenfeste Gemüsesorten zu erhalten (Nimm das, Monsanto!), auch viele Hofläden bieten dieses Angebot, hier findest Du z.B. eine Liste der "Verleiher" in NRW.

3.) "Positive Radikalisierung" - The School of Moral Ambition

Rutger Bregman ist ein niederländischer Historiker und Bestseller- Autor von Populär-Sachbüchern ("Im Grunde gut" oder "Utopien für Realisten"), sein neuestes Werk heißt "Moralische Ambition" (Rowohlt-Verlag). Ich bin noch nicht durch, aber ich finde es sehr inspirierend und empowernd, wie auch schon der Klappentext verspricht: "Dieses Buch ist (...) ein packender Bericht über Menschen, die ihr ureigenes Talent in die Waagschale geworfen haben und zu großen Denkern, Erfinderinnen und Anführern wurden, und über jene, die es ihnen heute gleichtun. Es ist auch eine Anleitung, wie jeder Einzelne im Angesicht von scheinbar überwältigenden Krisen in dieser Welt den Unterschied machen kann."
Er hat außerdem mit anderen Menschen zusammen die gemeinnützige Organisation "The School of Moral Ambition" gegründet, en internationaler Verband von Menschen, die sich zur Aufgabe gemacht haben,die talentiertesten Köpfe mit den drängendsten globalen Problemen zusammenbringen und sich dabei auf Wichtigkeit und Lösbarkeit auf Basis moralischer Prinzipien zu fokussieren. Extrem spannend und mutmachend! Auch diese Organisation kann man mit Spenden unterstützen.
Hier geht's zur Homepage.

4.) Gemeinsam Alltagsaufgaben erledigen macht glücklich

Gemeinsam macht fast alles mehr Spaß – sogar Putzen, Einkaufen oder Tanken. Eine US-Studie mit über 40.000 Befragten zeigt: Menschen fühlen sich glücklicher, wenn sie Alltagsaktivitäten gemeinsam erledigen. Na klar, die halbe Bude putzen, macht mehr gute Laune, als alles allein erledigen! Der Effekt war zwar nur klein, jedoch messbar. Kurzer Hörbeitrag hier.
Hier mehr zur Studie (Artikel ist allerdings auf englisch).

5.) Vögel retten – drei Projekte zeigen, wie

Vögel verlieren immer mehr Lebensraum – doch Menschen weltweit finden Wege, sie zu schützen. Ob vogelgerechte Städte in Kanada, ökologische Reisfelder in Spanien oder ein Projekt zur Spatzenrettung in Berlin: Mit Kreativität und Einsatz lassen sich Arten retten – und ganze Ökosysteme stärken. Ganzer Beitrag hier, und hier gehts direkt zu den Berliner Spatzenrettern .

6.) Ozonloch über der Arktis so klein wie seit Jahren nicht mehr

Das Ozonloch über der Arktis war 2024 laut der Weltwetterorganisation kleiner als in den Vorjahren 2020 bis 2023 – und sogar unter dem Durchschnittswert der Jahre 1990 bis 2020. Neben natürlichen Phänomenen ist vor allem das Verbot von ozonschädigenden Substanzen wie FCKW entscheidend für die Erholung der Ozonschicht. Ganzer Artikel hier

7) Uruguay deckt nahezu kompletten Energiebedarf mit Erneuerbaren

Jaja, Uruguay ist ein kleines Land, was dort geschafft wurde, ist nicht 1:1 übertragbar, aber der Weg dahin gilt für alle Veränderungswilligen, in allen Bereichen. "Wie konnte es gelingen?", fragen Sie sich vielleicht. Nun: "(...)Anders als in vielen Industrienationen sei die Transformation dort pragmatisch und parteiübergreifend verlaufen. Ein weiteres Plus: Durch die Wende entstanden 50.000 Jobs, viele davon im ländlichen Raum."
Hier der ganze Artikel

8.) Frankfurt: Das erste universitäre Frauenherzzentrum

Frauen haben bei Herzinfarkten andere Symptome als Männer – sie werden oft falsch und zu spät diagnostiziert. Zudem benötigen Sie unterschiedliche Behandlungen. Um die Versorgung von Frauen zu verbessern, hat Dr. Lena Seegers in Frankfurt das erste universitäre Frauenherzzentrum in Deutschland gegründet.
Mehr hier.
Lasst uns also zusammenrücken, es wird wieder kälter und radikale Kuscheligkeit ist - im gegenseitigen Einverständnis - eine der besten Maßnahmen gegen mentale oder seelische Verknurpselung.

Wie immer gilt: falls Du gerne mal zu einer meiner Shows kommen möchtest, aber gerade knapp bei Kasse bist, melde dich bei mir. Die ein oder andere Freikarte ist immer möglich. Niemand soll aus finanziellen Gründen auf Kultur verzichten müssen.

Ich hoffe, wir sehen uns!
Wenn Du Fragen oder Anregungen hast: schreib mir gerne.
Bis zum nächsten Schönletter!

Hab es gut, nimm's mit Humor, bleib mutig und mach durch dich die Welt ein bisschen schöner!
Deine Dagmar
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